Der Baustoffhandel als Herzblatt der Baustoffindustrie in der Kreislaufwirtschaft

Im Workshop “Rolle des Baustoffhandels in der Kreislaufwirtschaft” durfte ich als Moderator mit 16 Teilnehmer:innen aus Baustoffhandel und -industrie über die Zukunft sprechen. Der Workshop fand auf dem Baustoffmarkt Kongress 2022 in Köln als Plattform von Entscheidern in der Baubranche statt.

Diskussionen im Workshop zur Rolle des Baustofffachhandel in der Kreislaufwirtschaft

Gern stelle ich hier den Teilnehmer:innen aber auch weiteren Interessierten meine Notizen zur Verfügung:

Position Baustoffhandel:

Einhellige Meinung der Gruppe ist die Entwicklung des Baustoffhandels-Umsatzes hin zum Modernisierungsmarkt (Sanierung – Modernisierung – Renovierung), da die Verteuerung des massiven EFH-Neubau aber auch Entwicklungen wie BIM, Vorfertigung sowie Serielles Bauen die Direktgeschäfte Baustoffindustrie – Bauunternehmen begünstigen. Dort spielt der dreistufige Vertrieb bis auf margenschwache Streckengeschäfte in Zukunft keine wesentliche Rolle mehr. Bindungsinstrumente als Lokaler Partner sind also gefordert.

Modernisierungsbaustellen bedeuten Abrissarbeiten (Kernsanierung, Badsanierung etc.) und damit entsteht Abfallaufkommen auf der Baustelle. Der Baustoffhändler ist erster Ansprechpartner für Bauherren und Handwerker sowie Bauunternehmen bei diesen Projekten in der Beratung sowie Materialbereitstellung bzw. Belieferung. So ist es leicht möglich, Abfälle zurücknehmen und zwischenlagern. Der LKW-Fuhrpark und Lagerplatz ist vorhanden. Die letzte Meile als strategisches Bindeglied wird um die “Rückladung” erweitert, auch wenn es ganz praktisch einen erhöhten Koordinationsbedarf gibt.

Exkurs: Bigbags am Strassenrand im Innerstädtischen Bereich sind ein Konzept, das bereits angeboten wird. Awareness in Deutschland bis heute schwierig.

Foto: rbh, Barcelona ´19 Strassenrand – Bauschutt per Bigbag

Ein klares Nein in der Runde gab es zur Forderung, die Abfälle im Standort aufzubereiten. Der Baustoffhandel trennt heute grob (Holz, Baustoff, Metall, Mischabfälle) von Baustellen bzw. stellt dies Kunden z.T. zur Verfügung. Ein Trennen und Aufbereiten zu Recyclaten vor Ort wird ausgeschlossen, da Personal, Platz und Technik begrenzt sind.

Position Baustoffindustrie:

Vertreter aus der Bauchemie sowie Gips-Großindustrie sehen den Baustoffhandel hier als wichtige Station für diese Sekundärrohstoffe. Wirtschaftlichkeit ist die Basis des Handelns und damit entscheidet der Rohstoffpreis und die Verfügbarkeit über den Einsatz von Recyclaten. Dass dies kommen wird, war die weitläufige Meinung der Gruppe. Alle hatten die Preiserhöhungen der letzten Monate dabei im Blick, die durch die neueren Krisen weiter befeuert werden dürften.

Gedanken zur Umsetzung eines Konzeptes “Recycling über den Baustoffhandel”

Aus Erfahrungen vergangener Projekte berichten Baustoffhändler, wie z.B. die Aktion Steinwollreste-Rücknahme. Händler sammelten, aber die Abholung war semiprofessionel gelöst (nur Marketing – greenwashing). Ähnlich klang es zu Aktivitäten wie Gasbeton-Rücknahmen an. Auch die dramatische Situation durch HBCD und den Entsorgungsstopp ist noch in den Köpfen verankert.

Ein Kooperationsvertreter wies auf die Branchenaktivitäten zum Palettenmanagement hin, in welcher durch Testläufe mit Fokusierung auf einen Anbieter der Abfallwirtschaft nach “Blockchain Technologie” eine Umsetzung bundesweit versucht wurde. Vorsichtig formulierte man das Scheitern des Projektes. Man solle doch aus den gemachten Fehlern lernen! Initivativen sind trotzdem ein wichtiger Antrieb, wie man in einem Vortrag von Herrn Endlweber hören konnte. Er zeigte, dass durch Rücknahme von Kunststofffenstern und deren Aufbereitung in ein Granulat die Produktion von Kantenprofilen für WDVS zu einem Teil aus Recyclingmaterial ermöglicht wird.

Seitens der Baustoffindustrie berichtete man von Erfahrungen mit Systemanbietern. Es werden bepreiste Rücknahmen vereinbart um Recyclate für die Produktion generieren zu können, wenn auch heute im sehr kleinen Volumen. Weiter merkte ein Teilnehmer an, dass die Recyclingquoten bei Baustoffen in Skandinavien höher sind und ein tieferer Blick lohnen könnte.

Der Gedanke aus einem Vortrag zu Madaster als Plattform für mehr Transparenz über verfügbare Materialien in Bestandsgebäuden faszinierte und wurde diskutiert.

Grundsätzlich sieht man den Baustoffhändler als Kommunikator rund um sinnhafte Entsorgung im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

Fazit:

Alle sind sich einig, dass es nur über ein Geschäftsmodell funktionieren kann. Beispielsweise spart der Eigentümer bzw. Handwerker die Entsorgung, der Baustoffhändler übernimmt die Logistik aus der Kompetenz der letzten Meile und lagert zwischen. Spezialisten, in Deutschland verteilt, übernehmen die Abfälle und bereiten diese für die Baustoffindustrie auf. Ein Kooperationsmitarbeiter sah aus der Erfahrung mit Entsorgern hier noch keinen in diese Richtung brauchbaren Anbieter am Markt.

Es wird wohl keine “vollständige” Lösung für die Aufbereitung der Baustellenabfälle in naher Zukunft geben, sondern nach dem Prinzip Cradle-to-Cradle aus dem Bedarf einzelner Baustoffindustrie-Segmente wie z.B. Gipsindustrie, Holzindustrie, Dämmstoffindustrie der Bedarf und damit Handlungsdruck ergeben. Auch das war die Meinung des überwiegenden Teils der Gruppe.

Das hohe Interesse im Rahmen des Baustoffmarkt Kongresses zeigte, dass sich die Branche und damit der Verband sowie die führenden Kooperationen intensiver mit dem Thema Integration Baustoffhandel in der Kreislaufwirtschaft beschäftigen müssen. Es bedarf der Detailarbeit in der Konzepterstellung gemeinsam mit der interessierten Industrie (Prozessowner).

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